Hitze in der Apotheke: Warum eine professionelle Klimatisierung unverzichtbar ist
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Sommerliche Hitzewellen stellen Apotheken vor enorme Herausforderungen. Steigen die Innentemperaturen dauerhaft über 25 Grad Celsius, drohen nicht nur rechtliche Konsequenzen und Wirkungsverluste bei Arzneimitteln – auch die Gesundheit des Teams und der Kundschaft steht auf dem Spiel. Eine moderne, zuverlässige Klimatisierung in Verkaufs-, Lager- und Rezepturräumen ist daher längst kein Luxus mehr, sondern eine betriebsnotwendige Investition.
1. Gefahr für die Arzneimittelqualität: Gesetzliche Vorgaben im Sommer einhalten
Langanhaltende Sommerhitze gefährdet die Qualität und Wirksamkeit gelagerter Medikamente massiv. Die regulatorischen Vorgaben des Europäischen Arzneibuchs (Ph. Eur.) sowie der deutschen Apothekenbetriebsordnung (§ 4 und § 16 ApBetrO) schreiben für den Großteil des Sortiments eine strikte Lagerung bei Raumtemperatur vor. Fachlich ist dieser Bereich präzise definiert: 15 bis 25 Grad Celsius.
Überschreiten die Temperaturen in den Räumlichkeiten diese Marke über längere Zeit, drohen irreversible thermische Zersetzungsprozesse:
- Physikalische Schäden: Zäpfchen schmelzen, Cremes, Salben oder Emulsionen entmischen sich.
- Chemische Abbauprozesse: Wirksame Proteine und empfindliche chemische Verbindungen verlieren ihre Funktion.
- Gesundheitsrisiken: Im schlimmsten Fall entstehen durch Hitzeeinwirkung toxische Abbauprodukte.

Apothekerinnen und Apotheker stehen rechtlich in der Pflicht, die unversehrte Qualität der Abgabeartikel zu garantieren. Ohne eine professionelle Klimatechnik lässt sich dieser Qualitätsnachweis bei sommerlichen Hitzewellen schlicht nicht erbringen.
2. Schutz für das Apothekenteam: Leistungsfähigkeit und ASR A3.5 sichern
Neben der Ware leidet das Personal direkt unter stehender Hitze in den Innenräumen. Das Arbeiten in Offizin, Labor und Rezeptur erfordert kontinuierlich höchste Konzentration – sei es beim fehlerfreien Auslesen von Rezepten, der präzisen Einwaage von Reinstoffen oder der Überprüfung von Wechselwirkungen.
Hohe Raumtemperaturen führen nachweislich zu schnellerer Ermüdung, verringerter Reaktionsfähigkeit und einer höheren Fehlerquote bei pharmazeutischen Tätigkeiten. Körperliche Belastungen wie das Einräumen von Lieferungen oder langes Stehen verstärken den Hitzestress zusätzlich.
Wichtig laut Arbeitsstättenregel (ASR A3.5):
Bereits ab einer Raumtemperatur von 26 °C müssen Arbeitgeber geeignete Sonnenschutz- oder Kühlmaßnahmen ergreifen. Ab 35 °C ist ein Raum ohne spezielle Schutzmaßnahmen nicht mehr als Arbeitsraum geeignet.
Eine effiziente Klimaanlage schützt das Wohlbefinden Ihres Teams, senkt das Fehlerrisiko und sichert den reibungslosen Betriebsablauf.
3. Zusatzrisiko für geschwächte Kunden: Schutzraum Offizin schaffen
Apotheken sind zentrale Anlaufstellen für kranke, ältere oder chronisch geschwächte Menschen. Gerade diese Risikogruppen reagieren äußerst empfindlich auf extreme Wärmebelastungen.
Betreten Patientinnen und Patienten mit Herz-Kreislauf-Problemen, Dehydration oder akuten Infekten eine überhitzte Offizin, steigt das Risiko für Schwächeanfälle oder Kreislaufkollapse während der Wartezeit drastisch an. Eine angenehm temperierte Verkaufsfläche bietet Schutz, stabilisiert den Kreislauf geschwächter Personen und ermöglicht eine professionelle, entspannte Beratung.
4. Erhöhter Aufwand in der Rezeptur: Qualität bei der Herstellung sichern
Im Apothekenlabor und der Rezeptur stellt Sommerhitze eine besondere technische Hürde dar. Bei Raumtemperaturen von weit über 25 °C lassen sich viele individuelle Rezepturen – darunter kühle Salben, Lipogele oder flüssige Zubereitungen – nicht mehr normgerecht herstellen:
- Frühzeitiges Schmelzen: Fettphasen verflüssigen sich zu schnell.
- Mangelnde Stabilität: Wirkstoffe lösen sich nicht wie vorgesehen oder zersetzen sich bereits während des Rührvorgangs.
Um die Qualität von Individualrezepturen gemäß DAC/NRF-Vorgaben zu sichern, benötigt das Personal voll funktionsfähige, passgenau gekühlte Arbeitsbereiche.
Fazit & Ausblick: Warum passive Kühlung nicht mehr ausreicht
Die klimatischen Entwicklungen der letzten Jahre zeigen eindeutig: Langanhaltende Sommerhitzewellen sind keine Ausnahmen mehr, sondern die neue Regel. Passive Verschattungen oder nächtliches Stoßlüften reichen bei modernen Gebäudekomplexen und steigenden Außentemperaturen nicht aus, um das geforderte Temperaturniveau im Tagesverlauf stabil zwischen 15 und 25 °C zu halten.
Wie konsequenter Schutz in der Praxis aussieht, zeigt das Beispiel von Dr. Florian Scheuerlein aus der AVIE Apotheke im Luitpoldcenter, Dinkelsbühl https://www.apotheke-luitpoldcenter.de/: Um die lückenlose Qualität aller Arzneimittel zu sichern, hat er nicht nur die Apothekenräume vollumfänglich klimatisiert, sondern zusätzlich auch seinen Kommissionierautomat mit einer eigenen Klimaanlage ausgestattet.
Die flächendeckende Ausstattung von Apotheken mit modernen, energieeffizienten Klimaanlagen ist daher eine infrastrukturelle Notwendigkeit. Nur durch eine verlässliche und passgenaue Kühlung sichern Sie die Arzneimittelqualität, erfüllen gesetzliche Auflagen der ApBetrO und gewährleisten den Gesundheitsschutz für Personal und Kundschaft.
Quellen & Regelwerke im Überblick:
- Apothekenbetriebsordnung (ApBetrO): § 4 (Räume) und § 16 (Lagerung)
- Europäisches Arzneibuch (Ph. Eur.): Vorgaben zu definierten Lagerungsbedingungen
- Arbeitsstättenregel (ASR A3.5): Raumtemperatur-Vorgaben der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA)
- Bundesapothekerkammer (BAK): Leitlinie zur Qualitätssicherung („Prüfung und Lagerung der Arzneimittel“)
- Neues Rezeptur-Formularium (NRF) / DAC-NRF: Hinweise zur Herstellung von Rezepturen bei abweichenden Raumtemperaturen
- Robert Koch-Institut (RKI) & BMG: Empfehlungen zum Hitzeschutz für Gesundheitseinrichtungen
Autor: Ralph Ziegler
Mit herzlichem Dank an Dr. Florian Scheuerlein, für die Unterstützung bei der Erstellung dieses Artikels
